«Soziale Roboter sollen Menschen unterstützen»

Die beiden Roboter «Pepper» und «Nao» sind freundlich und hilfsbereit und erobern einen mit ihrem Charme im Nu. Doch bis sie wirklich mit Menschen interagieren können, bedarf es viel Programmierarbeit. Welche Aufgaben sie künftig übernehmen könnten und welche Arbeitsprozesse dazu nötig sind, erforscht das Robo-Lab der FHNW.

Pepper und Nao sind Maschinen, sicher – aber sehr niedliche. Beide haben grosse Kulleraugen und süsse Kinderstimmen. Pepper bietet jedem sofort seine Freundschaft an und der viel kleinere Nao gibt einem zutraulich die Hand. Kurzum, Pepper und Nao sind Roboter zum Gernhaben. Bis ihnen ein Fauxpas passiert. Einen solchen haben Arbeitspsychologinnen und -psychologen im Team von Hartmut Schulze von der Hochschule für Angewandte Psychologie beispielsweise bei einem Pepper-Modell in einem Einkaufszentrum im Raum Zürich beobachtet. Doch davon später. Das Team ist Teil des Robo-Lab, bei dem vier Hochschulen der FHNW zusammenarbeiten (siehe Infobox). Das Ziel: soziale Roboter wie Pepper oder Nao fit machen für die Praxis. Denn zwischen dem, was neu gekaufte Roboter können und dem, was sie leisten müssten, um Firmen und Institutionen einen Mehrwert zu bieten, klafft noch eine grosse Lücke. Diese wollen die Forschenden schliessen: Wie können Firmen Einsatzmöglichkeiten für soziale Roboter bestimmen? Welche Ressourcen und Prozesse brauchen sie, um die Roboter für diese Aufgaben weiterzuentwickeln? Und was ist nötig, damit Mitarbeitende gut mit dem neuen mechanischen Kollegen umgehen können? Um diese Fragen zu beantworten, testen und programmieren die FHNW-Forschenden derzeit verschiedene soziale Roboter. Zudem analysieren sie in Fallstudien, wie diese bereits heute im Einsatz sind – und was dabei noch nicht funktioniert.

Soziale Roboter müssen sozialer werden

So wie im besagten Einkaufszentrum. Dort dient Pepper vor allem als Attraktion für die Kundschaft. Ausserdem beantwortet er Fragen: Sucht ein Kunde beispielsweise ein bestimmtes Produkt, kann Pepper den Weg beschreiben. Dass dabei aber noch nicht alles nach Wunsch läuft, haben Hartmut Schulze und sein Team beobachtet. Zum Beispiel: Eine ältere Frau geht zu Pepper und spricht mit ihm, von Pepper gibt es eine Umarmung. Doch kurz darauf sagt der Roboter: «Jetzt reichts.» Und die Frau geht brüskiert davon. «Das hat mit dem einprogrammierten Feedback auf eine abgeschlossene Handlung zu tun», erklärt Schulze. Ausserdem sind Smalltalk und Humor eine echte Herausforderung. Das müsse für die Praxis noch viel differenzierter werden. 

Damit die Roboter richtig mit Menschen interagieren können, ist zunächst viel Forschungs- und Programmierarbeit nötig. Und diese unterscheidet sich je nachdem, was für Aufgaben die Roboter übernehmen sollen. Denkbar sei Pepper etwa in einer Rolle als Concierge oder mehrsprachige «Auskunftsperson» in Hotels, Einkaufszentren oder bei Anlässen, sagt Schulze. Dagegen sei dessen kleiner Kollege Nao prädestiniert für Aufgaben mit Kindern oder als Aktivierungstrainer für Betagte in Pflegeheimen. Die fürsorglichen Roboter dürften – auch dank der anwendungsorientierten Forschung an der FHNW – schon bald einen Teil ihres enormen Potenzials einlösen.

Das FHNW Robo-Lab

Soziale Roboter wie Pepper oder Nao verrichten im Gegensatz zu herkömmlichen Industrierobotern keine mechanische Arbeit. Stattdessen sollen sie mit Menschen interagieren, beispielsweise informieren und beraten. Die angewandte Forschung an solchen Robotern und deren Einbettung in Unternehmen und Organisationen ist Teil der Strategischen Initiative mit dem Titel «Soziotechnische Gestaltung der Interaktion mit kollaborierenden Robotern – Robo-Lab». Dabei wirken verschiedene Projektpartner aus Wirtschaft und Gesellschaft und vier Hochschulen mit: die Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW, die Hochschule für Wirtschaft FHNW, die Hochschule für Technik FHNW und die Pädagogische Hochschule FHNW.